StartNewsChristian und Lara Marysko: Die Diamantschleifer

Christian und Lara Marysko: Die Diamantschleifer

Sie sind das Powerpaar im deutschen Golf: Christian und Lara Marysko. Der Athletik-Bundestrainer war schon immer ein Kraftpaket – die einstige Nationalspielerin wurde es auch dank ihm.

Lara und Christian Marysko
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Ein Anruf bringt Christian Marysko bis heute zum Schmunzeln. Am Apparat die Frau eines Kaderspielers. Ihr Mann komme vor Muskelkater nicht mehr von der Toilette hoch. Was soll ich tun? Und: Was hast Du mit meinem Mann gemacht? Um solche Fragen muss es in dem Gespräch gegangen sein. Athletik-Bundestrainer Marysko erzählt die Anekdote genüsslich. Er habe damals nur seinen Job gemacht, aber die zarten Golferinnen und Golfer offenbar überfordert. Im Rückblick sagt der Bad Kreuznacher: „Man musste Angst haben, dass sich die Athleten beim Rausbringen des Mülls verletzten.“

„Anschließend war an Bälleschlagen nicht mehr zu denken“

Zu den Leidtragenden oder – wie Marysko sie nennt – den „maximal Unfitten“ gehörte damals, Ende 2008, auch Lara Katzy. Die Nationalspielerin aus dem Golf- und Land-Club Berlin-Wannsee hat schmerzhafte Erinnerungen an das Regiment, das mit Christian Marysko Einzug erhielt. Bei einem Lehrgang auf Mallorca, Maryskos erstem Einsatz, hätte das Team morgens eine Lauf- und Sprungschulung bekommen. Dazu zählten auch Ausfallschritte. „Anschließend war an Bälleschlagen nicht mehr zu denken“, berichtet die Golferin, die nach ihrer Amateurkarriere mit dem bärtigen Drill-Sergeant zusammenkam.

Lara Marysko, so heißt sie heute, hat aber nicht nur den Namen ihres Mannes angenommen. Vieles der athletischen Aspekte, die Christian im deutschen Leistungsgolf etabliert hat, gibt die 35-Jährige seit Jahren als Jugendsportkoordinatorin im Mainzer Golfclub weiter. „Ich bin nach einer Athletikeinheit mit den AK30-Herren schon gefragt worden, ob ich nicht einen Magath-Hügel aufbauen möchte“, erzählt Lara Marysko. Auch sie gilt clubintern als Schleiferin. Darüber sind sich Lara und Christian Marysko einig: Ohne Krafttraining und Beweglichkeit kein Spitzengolf und keine Profikarriere.

Moritz Lampert und Sophia Popov waren Maryskos Probanden

Was heute längst ein Allgemeinplatz ist, habe die Golfer vor 20 Jahren noch zum Lachen gebracht, sagt Christian Marysko. Als Student der Sportwissenschaft habe er seine Magisterarbeit im Golf Club St. Leon-Rot geschrieben. Thema: Athletik als Zubringerleistung, um den Körper auf golfspezifische Strapazen vorzubereiten. „Das klang damals für viele nach einer verrückten Idee“, erinnert sich Marysko. Zu dem Dutzend seiner Probanden zählten Moritz Lampert und Sophia Popov. Die eine gewann 2020 als erste Deutsche die Open Championship, der andere schaffte es bis auf die European Tour.

Christian Marysko ist eine imposante Erscheinung, ein großgewachsenes Kraftpaket, dazu der Vollbart. Leichtathlet war er, hat American Football gespielt, Tennis. Als Personal Trainer war er sehr gefragt. Darüber hätte er fast sein Studium in Heidelberg aus den Augen verloren. Dass so einer im Golfumfeld gelandet ist und Karriere gemacht hat, ist dem langjährigen Geschäftsführer von St. Leon-Rot zu verdanken. Eicko Schulz-Hanßen sei ein Visionär gewesen, sagt Christian Marysko: „Während zwei Kollegen von ihm gelacht haben, hat er mir nach dem Studium im Golfclub eine Festanstellung als Fitness-Koordinator gegeben.“

Da läuft ein Bärtiger rum, der schreit

Mit beachtlichen Folgen und Erfolgen. Über zehn Jahre sei das Herren-Team von St. Leon-Rot ungeschlagen geblieben, weiß auch Lara Marysko. „Die Jungs hätten die Deutsche Meisterschaft auch gewonnen, wenn sie gegen die anderen im Wettrennen angetreten wären.“ Körperlich seien sie auf einem anderen Niveau gewesen. Die Arbeit von Christian Marysko ist eingeschlagen wie eine Bombe. Entsprechend schnell sprach sich herum: In St. Leon-Rot läuft ein Bärtiger rum, der schreit. Ende 2008 fragte Bundestrainer Marcus Neumann Marysko schließlich, ob er das Nationalteam begleiten könne für einen Lehrgang.

Lara Marysko gehörte zu der Zeit zu den besten fünf Golfern in Deutschland – Herren inklusive. Zwei Jahre zuvor, mit 16, war sie Nationalspielerin geworden. Die Berlinerin, die erst mit 12 angefangen hat Golf zu spielen. „Mein drei Jahre älterer Bruder hat mich so lange bequatscht, bis ich mitgekommen bin auf den Golfplatz“, erzählt sie. „Gleich am ersten Tag war klar: Ich höre auf mit Tennis.“ Sie habe Gregor Tilch, damals Trainer in Wannsee, gefragt, wann denn Training sei. Der antwortete: Immer! Eine Haltung, die Lara Marysko bis heute teilt. „Ich bin all-in bei allem, was ich tue, das ist ein Grundwesenszug.“

Lara Marysko Dritte bei Wahl zu Berlins Sportlern des Jahres

2005, mit 15, spielte sie für Wannsee das erste Mal in der Bundesliga. 2009 gewann sie mit dem Golf Team Germany die Mannschaftseuropameisterschaft und wurde im selben Jahr Internationale Amateurmeisterin der Schweiz. Bei der Wahl zu Berlins Sportlern des Jahres landete Lara Katzy auf Platz drei. „Der einzige Pokal, den ich noch immer zuhause aufgestellt habe“, sagt sie. 2010 wurde sie, Deutschlands erste golfende Sportsoldatin, Deutsche Lochspielmeisterin.

Christian Marysko, der viele deutsche Spielerinnen und Spieler als Caddie begleitete, war an der Seite seiner heutigen Frau, als sie 2011 bei der Qualifying-School für die Ladies European Tour antrat. „Lara hat -7 auf den ersten neun Löchern gespielt“, schwärmt er. Es seien die besten neun Löcher gewesen, die er jemals gesehen habe. Eine Verletzung stoppte im Jahr darauf jedoch die junge Karriere: Lara Katzy erlitt einen Ermüdungsbruch im Unterarm, musste pausieren. Ihren Status als Sportsoldatin, geknüpft an die Zugehörigkeit zum Nationalkader, konnte sie nicht mehr halten. Bei Mark Mattheis im Mainzer Golfclub hat sie ab 2014 ihre Ausbildung zum Fully Qualified PGA Professional gemacht.

Lara und Christian Marysko leben für Golf

Lara und Christian Marysko leben für Golf, was die Organisation der Familie nicht eben erleichtert: Während sie für die sportliche Entwicklung der Kinder und Jugendlichen im Mainzer Golfclub verantwortlich ist, kommt er als Athletik-Bundestrainer auf 200 Hotelnächte pro Jahr, drei Viertel davon außerhalb von Deutschland. Seit 2013 sind Lara und Christian Marysko ein Paar, geheiratet haben sie 2016. Dass es kein Erstliga-Club geschafft hat, Lara Marysko als Trainerin aus Mainz abzuwerben, hängt gewiss auch mit den Kindern zusammen, die das Powerpaar des deutschen Golfs hat.

Der Chef-Bundestrainer der Herren Christoph Herrmann sagt über Christian Marysko: „Er ist nicht nur unser Kapitän, sondern auch die Stimme des Erfolgs.“ 2019 gewann Marysko mit dem Junior Golf Team Germany das European Young Masters, 2020 mit den deutschen Herren die Team-EM. Wie kein ein anderer könne Marysko die Spieler dazu bringen, das Maximum aus sich herauszuholen, sagt Herrmann. „Vielleicht ist das das Einzige, was ich wirklich richtig gut kann“, sagt Marysko selbst.

Ihn und den Bundestrainer verbindet über den Beruf hinaus eine Freundschaft. Seit knapp einem Jahr machen Herrmann und Marysko den Infotainment-Podcast „Ausgelippt“. Darin plaudern sie über die Welt des Golf, oft mit fachkundigen Gästen. Athletik ist auch dort hin und wieder ein Thema. Christian Marysko würzt das Gespräch dann gerne mit Anekdoten aus der Vergangenheit. Denn inzwischen kämen natürlich alle seine Schützlinge nach dem Training auch wieder von der Toilette hoch, beteuert er: „Im Durchschnitt schaffen die Spieler unseres U23-Nationalkaders 21 Klimmzüge.“

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