Wenn das Glücksrad an Tee 1 stehenbleibt und der Pfeil auf Putter zeigt, dann hätte es noch schlimmer kommen können. Auch Werfen drohte als mögliche Schlägerwahl. So beginnt die Runde gleich außerhalb der Komfortzone. Und genau darum geht es. Bei der Greenkeeper’s Revenge auf dem Golfplatz Altenstadt sollen die Golferinnen und Golfer an den Rande des Wahnsinns getrieben werden. Hindernisse und Sonderregeln mögen den Score verhageln – und die Platzarbeiter rächen, die tagein, tagaus Pitchmarken und Divots reparieren und für ihre noch weit umfangreichere Arbeit von den Verursachern viel zu selten Lob und Anerkennung erhalten.
Turnier innerhalb weniger Stunden ausgebucht
„Das Turnier war innerhalb weniger Stunden ausgebucht“, berichtet Geschäftsführer Markus Rott. 104 Spielerinnen und Spieler durften am Samstag bei der Greenkeeper’s Revenge teilnehmen. Acht Bahnen waren gar doppelt besetzt. „Es hat sich offenbar herumgesprochen, dass wir uns bei diesem Turnier besondere Mühe geben“, so Rott. Diesmal hatten sich auch Golferinnen und Golfer vom Golfpark Gut Hühnerhof und dem Licher Golf-Club angemeldet.
Mit viel Liebe haben die Greenkeeper vom Golfplatz Altenstadt 18 Golfbahnen so präpariert, dass möglichst nichts nach Plan läuft. Angefangen beim Glücksrad auf Bahn 1, einem Trecker mit Gebläse hinter Bahn 7, einem Abschlag mit Baseballschläger auf Bahn 9 und – die Krönung – einem mit Bauzäunen umringten Inselgrün, dessen Fahne vom Abschlag aus nur zu erahnen ist. „Es ist das vierte Mal, dass wir dieses Event veranstalten und die Stimmung unter den Teilnehmern ist immer hervorragend“, sagt Altenstadts Head-Greenkeeper Manuel Strauch.




Phillip Deubel, der mit drei Freunden eigentlich auf dem Hühnerhof zu Hause ist, sagt: „Ich habe einige Jahre in Florida gelebt, wo es in jedem Golfclub einmal im Jahr so ein Turnier gibt.“ Dann schwingt er sein Eisen, um den Ball auf das neunte Grün zu spielen. Dort lauern zahlreiche Mausefallen. Das Loch kann nur durch mehrere Mauselöcher erreicht werden. Blanka Bohmann, Mitglied auf dem Golfplatz Altenstadt, hat für die Teilnahme am Turnier ihre Freundin Svetlana gewonnen, die sich „von Loch zu Loch bekringelt“ vor Lachen.
Das Scheitern ist vor lauter Tücken allgegenwärtig
So geht es den meisten Golferinnen und Golfern an diesem Tag. Überall wird gelacht und gejauchzt. Das Scheitern ist allgegenwärtig. Aber was soll’s? Bei all den Tücken. Das gilt insbesondere für den Laubbläser hinter dem siebten Grün. Ausgerichtet auf das Loch, schiebt der Wind selbst beherzte Putts um Meter zurück, als wären sie mit Backspin gespielt worden. Umso größer der Jubel, wenn es gelingt, den Gegenwind zu bezwingen und den Ball im Loch zu versenken.
Kaum zu glauben, dass Max Väth, der mit seinen Eltern in einem Flight spielt, nach acht absolvierten Bahnen fünf Schläge unter Par liegt. Klar, bei diesem Spaßturnier wird im Scramble-Modus gespielt. Und doch ist es eine unverschämt gute Leistung, Birdies und Eagles zu spielen, wenn auf dem Grün Drainagerohre liegen, oder auf dem Fairway Aufsitzmäher geparkt sind – just in der Ideallinie. Der Flight von Dirk Strippelmann kommt zwischenzeitlich immerhin auf zwei Schläge unter Par, obwohl sie auf Bahn eins mit dem Putter abschlagen mussten und mit einem Bogey vom Grün gingen.




Zur Erbauung haben Head-Greenkeeper Manuel Strauch und sein Team auch drei Versorgungsstationen auf dem Golfplatz aufgebaut. Am ersten Abschlag gibt es Burger, an Bahn 5 Kartoffelsuppe und auf der 16 Bier – vermutlich auf den Schreck, den der Bauzaun auslöst. Sich jedes Jahr neue Herausforderungen zu überlegen, ist nicht ohne. Ob sie im Laufe der Jahre besser geworden sind, mag Manuel Strauch selbst nicht beurteilen. „Besser ist in jedem Fall das Wetter“, betont er.
Einmal habe es bei der Greenkeeper’s Revenge schon geschneit, einmal gehagelt. Am Samstag scheint in Altenstadt größtenteils die Sonne. So lässt sich Rache ertragen. „Viele sprechen mich jetzt schon an, um sicherzustellen, dass sie auch beim nächsten Mal wieder dabei sein können“, sagt Markus Rott. Als nächstes plant der Geschäftsführer – vor allem für seine Mitglieder – im Sommer ein Nachtgolfturnier über zwei Tage.