Herr Jakob, wie bitte schön kriegen Sie Ihren Job als Chefredakteur des kicker und das Präsidentenamt im Golfclub Dillenburg unter einen Hut?
Jörg Jakob: Für mich als Mittelhesse ist der Golfclub Dillenburg ein Stück Heimat. Ich bin schon seit 1989 Mitglied, und selbst in den 20 Jahren, in denen ich eine Wohnung in Nürnberg hatte, habe ich den Club nie verlassen. Heute kann ich aus der Südwest-Redaktion des kicker in Offenbach arbeiten und Wettenberg, wo ich mit meiner Familie lebe, ist nur eine halbe Stunde von Dillenburg entfernt. Hinzu kommt: Ich habe mein Freizeitverhalten erheblich verändert. Das ermöglicht es mir, mich ehrenamtlich zu engagieren.
Was ist schwieriger: Ein Printabonnement für den kicker zu verkaufen oder eine Vollmitgliedschaft im Golfclub?
Jörg Jakob: Ich würde sagen, herausfordernder und anspruchsvoller ist derzeit die Mitgliedergewinnung in Golfclubs. Wir müssen den Menschen begreiflich machen, dass unsere Türen offenstehen. Dafür brauchen wir immer wieder neue Ideen für Werbemaßnahmen und die richtige Ansprache. Lassen wir einmal nach, werden wir sofort bestraft. Ganz allgemein ist ja die Gefahr: Der Nachwuchs bleibt aus und die Anzahl derer, die in einen Golfclub eintreten ist kleiner als die Gruppe, die aus Altersgründen aufhört.
Jörg Jakob: „Last ruht im Vorstand auf vielen Schultern“
Sie waren zunächst zwei Jahre lang Vizepräsident, seit einem Jahr stehen Sie nun ganz oben. Welche Erfahrungen und Fähigkeiten kann ein Chefredakteur wie Sie in einem Golfclub einbringen?
Jörg Jakob: Für mich sind Kommunikation und Teamwork das A und O. Ohne einen Vorstand, in dem die Last auf vielen Schultern ruht, wäre das Präsidentenamt für mich gar nicht darstellbar. Ich weiß, was ich kann, ich weiß aber auch, was ich nicht kann. Insofern sind die Aufgaben und Kompetenzen bei uns konkret verteilt. In der Mitgliederversammlung habe ich damals klargemacht: Wenn Sie jemanden brauchen, der von oben nach unten durchregiert, dann bin ich der falsche Mann. Wir als Vorstand sind eigentlich auch nur die Spitze der Mitgliedschaft. Wir müssen Mitglieder einbinden, sie an Prozessen beteiligen, sie dazu ermuntern, sich einzubringen.

Was ist Ihnen für den Golfclub Dillenburg wichtig?
Jörg Jakob: Ein aktives Vereinsleben. Wir müssen dafür sorgen, dass sich unsere Mitglieder und Gäste wohlfühlen. Mit Events, die mit Golf zu tun haben, aber auch der ein oder anderen Veranstaltung – ich sage mal – am Rande der Bande. An Golf findet man beim Schnupperkurs schnell Gefallen, davon bin ich überzeugt. Wer uns aber nicht als attraktive Heimat wahrnimmt, ist danach schnell wieder weg.
Wie viele Golferinnen und Golfer haben heute ihre Heimat im Golfclub Dillenburg?
Jörg Jakob: 700 inklusive der Jugendlichen sowie der Abteilungsmitglieder des Golfclubs Hessen Süd. Wir sind ein kleiner Club, haben kein Hotel und keine Betreibergesellschaft im Rücken. Das limitiert unsere wirtschaftlichen Kapazitäten. Aber wir haben den Vorteil, dass wir ein gemeinnütziger Verein sind, der selbst Eigentümer der Anlage ist. Das ist sehr viel wert, nicht nur mit Blick auf das Thema Grundsteuer.
„Besserlegen ist nicht mein Ding“
Was hat Sie überhaupt zum Golf geführt?
Jörg Jakob: Ich bin recht anglophil. Mich interessiert sehr, was sich in Großbritannien abspielt, natürlich auch sportlich. Golf hat mich schon beim reinen Zuschauen angefixt. Ich war mir sicher: Da muss was dran sein an diesem Sport. Also habe ich es selbst ausprobiert und festgestellt: Ich liebe nicht nur die Sportart, sondern auch den „Spirit of the Game“. Besserlegen oder eine Trainingsrunde mit zwei Bällen sind nicht mein Ding.
Wie sind Sie im Golfclub Dillenburg gelandet?
Jörg Jakob: Ich wohnte damals in Dillenburg, wo der 1979 gegründete Golfclub nach langer Grundstückssuche Ende der 1980er-Jahre endlich fündig wurde. Der Golfclub Schloss Braunfels existierte bereits, aber der Licher Golf-Club und der Golfpark Winnerod noch nicht, ebenso wenig der Attighof. Der Golfboom hat dem Golfclub Dillenburg schnell über 1000 Mitglieder beschert. Ich war ab 1989 einer davon, und ich kann sagen: Unsere Theke im Clubhaus konnte mit jedem Fußballvereinsheim der Umgebung mithalten. Die hatte einst legendäre Züge.
Sind Sie ein guter Golfer?
Jörg Jakob: Nein, ich bin ein Mittelklasse-Golfer. In den letzten Jahren ist mein Handicap ein bisschen hochgepurzelt. (lacht) Wenn ich ehrlich bin, kratzt es schwer an meiner Ehre, dass ich nicht mehr bei 20 bin. Seitdem ich für den kicker arbeite, ist mein aktives Golfspiel deutlich geschrumpft. Ich habe jahrzehntelang nicht mehr konzentriert, strukturiert und mit einem Pro an meiner Technik gearbeitet. Aber ich glaube, das kriege ich wieder hin.
Wie sehr nervt es Sie, wenn Sie schlecht spielen?
Jörg Jakob: Jede Golfrunde, auch wenn sie unerfreulich läuft, macht mir Spaß. Wenn ich vom Platz komme, denke ich jedes Mal, ich habe mir etwas Gutes getan. Sehr gerne spiele ich frühmorgens oder im Abendlicht. Mal mit Freunden, aber auch sehr gerne allein. Komischerweise bin ich nie ein Turnierspieler gewesen.
Dabei müssten Sie als Sportreporter eigentlich an jeder Form von Wettbewerb interessiert sein.
Jörg Jakob: Mich hat bei Golfturnieren manches Mal die eigene Psyche geschlagen. Das gebe ich offen zu. Die mentale Wettkampfhärte hat mir im Golf lange gefehlt. Das habe ich aber mittlerweile im Griff. Bei den Turnieren der GOFUS, der golfspielenden Fußballer, habe ich sehr viel über die Mentalität im Lochspiel gelernt.

An welche Golfrunden mit Fußballern haben Sie besondere Erinnerungen?
Jörg Jakob: Eine Runde mit Jürgen Grabowski und Bernd Nickel vor vielen, vielen Jahren in Dillenburg war für mich persönlich etwas ganz Besonderes. In der jüngeren Vergangenheit haben mich die Golfduelle bei den GOFUS begeistert, etwa mit Hansi Müller oder Mirko Slomka. Schön ist es auch, mit Rainer Bonhof Golf zu spielen – eine wirkliche Frohnatur. Diese Menschen abseits des Beruflichen persönlich und privat kennenzulernen, ist toll.
Sammeln Sie auf solchen Golfrunden Infos, mit denen Sie anschließend Artikel für den kicker bestreiten, oder geht es da nur um Kontaktpflege?
Jörg Jakob: Geschichten entstehen auf dem Golfplatz eher nicht. Jürgen Klopp, der kein Golf spielt, hat mal gesagt: Der kicker hat eine distanzierte Nähe. Und das ist genau richtig. Wir müssen gute Kontakte haben, aber dennoch in der Lage sein, Entwicklungen kritisch einzuordnen und unsere Meinung zu sagen.
„Guten Kontakt zu Martin Kaymer“
Wie sehr verfolgen Sie das internationale Golfgeschehen?
Jörg Jakob: Da habe ich durchaus ein Auge drauf, denn ich habe selbst über Golfturniere berichtet, unter anderem über zwei Open Championships. Das begann schon beim Gießener Anzeiger mit den German Open in Düsseldorf oder auch Nationalen Offenen Meisterschaften, damals noch in Hanau oder Frankfurt. Für den kicker hatte ich einen sehr guten Kontakt zu Martin Kaymer aufbauen können. Ich erinnere mich an ein intensives Doppelinterview mit Kaymer und Oliver Kahn.
Wird die Platzreife für Sportreporter immer mehr zu Schlüsselkompetenz?
Jörg Jakob: Ausdrücklich ja, das kann ich nur empfehlen! Golf verbindet sofort. Und es kommen viele Fußballer nach, die Golf spielen: Thomas Müller, Manuel Neuer, Sebastian Rode, Nils Petersen …
Welche Fußballstars konnten Sie schon in den Golfclub Dillenburg lotsen?
Jörg Jakob: Früher waren regelmäßig welche da, allein durch die Verbindung zu Eintracht Frankfurt. Aber seitdem ich im Amt bin, ehrlicherweise noch keiner. Da habe ich mir für dieses Jahr noch Spielraum gelassen.